#NLdays 2

Genau einen Monat bin ich nun in den Niederlanden – ganz schön lange, wenn man in Betracht zieht, dass ich insgesamt nur knapp fünf Monate hier sein werde. Ein Fünftel klingt zwar viel, vier Fünftel allerdings klingen nach wesentlich mehr. Deshalb fokussiere ich mich, nachdem ich in diesem Post die letzten vier Wochen revue passieren lassen habe, lieber auf die kommenden zwanzig. 

Inzwischen bin ich dem Ziel, mich so wenig wie möglich von den Einheimischen zu unterscheiden, schon wesentlich näher gekommen: ich fahre regelmäßig Fahrrad, esse ununterbrochen Stroopwafels und zumindest gegenüber Postboten und Kassierern bilde ich mir ein, den Eindruck einer Muttersprachlerin in den meisten Fällen bewahren zu können. Weil „Hallo“, „nee“ und „tot ziens“ letztlich aber nicht mal für einen Small Talk ausreichen und meine falsche Identität spätestens dann auffliegt, wenn die Kassiererin eine unerwartete Frage stellt, besuche ich seit heute wieder einen Holländischkurs. In Berlin habe ich bereits ein Semester Holländisch gelernt, allerdings, weil ich mein Kreuz bei der Anmeldung falsch gemacht habe, nicht im Beginner-, sondern im Fortgeschrittenenkurs. Ob es eine kluge Entscheidung war, dieses Basiswissen jetzt noch nachzuholen, wird sich noch herausstellen. Denn was ich nicht bedacht habe, als ich mich hier angemeldete war, dass es beispielsweise asiatische Kommilitonen ja um Einiges schwerer haben, die Sprache zu lernen und der Kurs deshalb auf extrem niedrigem Niveau stattfindet. Genauso so war es heute aber: um mich herum fast ausschließlich Mädels und Jungs aus China, Taiwan, Korea, manche aus Osteuropa oder Italien und Spanien. Allesamt allein von der Aussprache des „g“ im Niederländischen (ein stimmhaftes „ch“) überfordert. Und dazwischen: ich. Als Deutsche nicht nur bestens mit Zischlauten bekannt, sondern auch noch mit einer ganzen Menge holländischen Vorkenntnissen. Aber wie sagt man so schön? Ein Auslandssemester ist eine Herausforderung. Und meine ist es nun eben, Sprachkurse in der falschen Reihenfolge zu meistern.

Apropos Herausforderungen: mit dem Fahrradfahren ist das ja auch so eine Sache. Von den Holländern liebevoll „fietsen“ (Was für eine Sprache!) genannt, ist das Fahrradfahren hier beinahe so essentiell wie zu Fuß gehen. Während man in anderen Städten ohne Fahrrad aufgeschmissen ist, geht hier nichts ohne ein vernünftiges „fiets“. Wobei die Beschreibung „vernünftig“ in Holland durchaus anders interpretiert wird. Ich entschied mich vor ein paar Tagen dazu, mir ein Rad über Swapfiets zu mieten. Das kostet 12€ im Monat und ist vor allem für Studenten wie mich, die nicht allzu lange bleiben, unkompliziert. Ich holte mein Rad also am vereinbarten Platz in der Nähe der Uni ab und schwang mich direkt nach Unterzeichnung des Vertrages darauf. So schön das rot glänzende Fahrrad mit dem knallblauen Vorderreifen aber aussah, so unsicher fühlte ich mich, als ich nach ein paar Minuten die Bremsen das erste mal ausprobierte. Denn, anders als die meisten deutschen Räder, haben die einfachen Fahrräder hier keine Bremsen am Lenker, sondern nur an der Pedale. Rücktritt kannte ich zwar noch von meinem Kinderrad, das hatte damals allerdings beide Bremsmöglichkeiten. Dazu, dass ich mich eh schon unsicher auf dem ausgeklügelten Fahrradwegsystem fühlte, kam also auch noch eine sehr schwache, an den Füßen befindliche Bremse. Und jetzt ratet mal, was ich normalerweise mache, bevor ich abbiege oder eine Straße überquere? Richtig, ich nehme meine Füße von den Pedalen auf den Boden um mehr Kontrolle über das Rad zu haben und es zu stützen. Hat man allerdings seine Bremsen an den Pedalen… ihr ahnt es. Die ersten Tage bin ich das ein oder andere Mal nur dank den schnellen Ausweichreaktionen anderer Fahrradfahrer ohne Blessuren davon gekommen.

In Amsterdam hingegen würde ich mich es vermutlich nicht mal trauen, Fahrrad zu fahren. Dort sind nämlich nicht nur die Straßen enger und mehr Räder unterwegs, sondern auch wesentlich mehr Mopeds („bromfietsen“), die aus irgendeinem Grund auch die Radwege befahren dürfen. Zu Fuß bin ich dort aber nach wie vor gern unterwegs, gerade letztes Wochenende war ich wieder dort. Und so sehr mich die Touristen nerven, muss ich sagen, dass mich die Schönheit dieser Stadt immer wieder auf’s Neue beeindruckt. Als ich am Freitagabend an einer der unzähligen Grachten entlanglief und der Mond durch die spitzen Häuserdächer in De Pijp schien, waren von der einen auf die andere Minute der Stress an der Centraal Station, all die deutschen Reisegruppen in ihren gleichfarbigen Jack-Wolfskin-Jacken und die an jeder Ecke vor sich hinvegetierenden Drogentouristen vergessen. Oh, wie schön ist Amsterdam!

Ich möchte meine aktuelle Heimatstadt Rotterdam aber auch nicht vernachlässigen und verbringe deshalb immer noch die meiste Zeit hier. Hin und wieder auch außerhalb der Universität, obwohl die es stets schafft, mich mehr zu begeistern. Heute, als ich aus dem zwanzigstöckigen Gebäude kam, in dem ich meinen Sprachkurs hatte, entdeckte ich beispielsweise mal ganz nebenbei einen Supermarkt auf dem Campus. Es ist kein Wunder, dass ich dort so viel Zeit verbringe, wenn das Ganze beinahe einer eigenen Stadt gleicht. Inzwischen habe ich sogar schon einen Standardplatz in der Bibliothek, der Starbucksbarista kennt meine Bestellung bevor ich sie aufgebe und ich weiß meinen 8-stelligen Code für den Drucker aus Nummern und Buchstaben auswendig. Wer hätte gedacht, dass ich nochmal zu einer waschechten Studentin werde?

Wenn ich denn mal Zeit dazu finde, habe ich inzwischen auch ein paar Bloggermädels kennengelernt, mit denen ich ab und zu Fotos mache. Denn inmitten all dem Unistress möchte ich meine Inhalte auf Instagram und natürlich hier nicht zu kurz kommen lassen und shoote deshalb meist direkt zwei, drei Looks an einem Tag. Das Locationscouting ist hier jedenfalls wesentlich einfacher als im hässlichen Berlin, wo man erst eine halbe Stunde fahren oder Ewigkeiten suchen musste, bis man den passenden Hintergrund gefunden hatte. Was sagt ihr eigentlich zu meinen #NLdays Bildern? Ich freue mich wie immer über Feedback und natürlich über Vorschläge, was euch an meinem Auslandssemester besonders interessiert!

 

  • Comments ( 2 )

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    mel

    Ohhhh, Stroopwafels! Mein Vorrat aus dem letzten Urlaub ist laaange aufgebraucht und ich überlege ernsthaft, mir die Dinger bei Amazon zu ordern. Hmm.

    Die Bilder (und Outftis) sind richtig toll! Berlin ist zwar eine coole Stadt, aber gleichzeitig an vielen Stellen hässlich. 😀

  • avatar
    Melanie

    Wow, was für tolle Looks! Ich bin total begeistert! :-*

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