#NLdays 1

Shame on me, ich weiß. Als ich gerade den Direktlink zur  „Beitrag-Erstellen“-Option in die URL-Leiste tippen wollte, musste ich erstmal eine Minute überlegen, so lange habe ich keinen Blogpost mehr verfasst. Ausreden habe ich aber genug. Die letzten Tage und Wochen waren so intensiv, chaotisch, erlebnisreich und im wahrsten Sinne des Wortes „life changing“, dass ich weder dazu gekommen bin, über all die Eindrücke nachzudenken, noch sie in einem Blogpost festzuhalten.

Da ich aber weiß, dass ein Auslandssemester für viele von euch Thema ist, möchte ich in der Reihe #NLdays mal wieder etwas persönlicher werden und euch an meinem kleinen Abenteuer teilhaben lassen.

Wenn ihr denkt, der Stress beginnt erst, wenn man sein Auslandssemester antritt – vergesst es! In meinem Fall hat das Chaos hat schon Wochen bevor ich nach Rotterdam geflogen bin Überhand über mein Leben genommen. Natürlich solltet ihr nicht direkt von mir auf euch schließen und vielleicht seid ihr im Gegensatz zu mir ja extrem gut organisiert, plant automatisch im Voraus und habt kein grundsätzliches Problem mit Deadlines. Ist dem allerdings nicht so, bedeutet ein Auslandssemester planungstechnisch vor allem eins: euren absoluten Supergau. Schon, wenn ich mich in die Situation zurückversetze, kommt in mir ein Stressgefühl hoch, deshalb die Zeit vor Rotterdam nur in Bruchteilen: Informationsveranstaltungen, Anträge, Agreements, Studienwechsel, Hausarbeiten, Spontanurlaub, Nachmieter, Festival, Umzug. Und, als wäre das nicht schon genug, geht das ganze eigentlich direkt von vorne los, sobald man die erste Nacht im neuen Zuhause verbracht hat.

Zumindest im Dutch Lifestyle war ich schon ein bisschen drin, weil ich kurz vorher bereits ein paar Tage in Amsterdam verbracht hatte. Das brachte aber auch Zweifel mit sich: hab ich die falsche Stadt gewählt? Macht Rotterdam überhaupt Sinn als Blogger? Dazu ein bisschen Hintergrundmaterial: Amsterdam habe ich nicht zu meiner ersten Präferenz erkoren, weil ich die Stadt bereits so gut wie auswendig kenne und außerdem mein Freund dort studiert. Ich finde aber, ein Auslandsemester sollte eine Erfahrung sein, die man ganz allein macht. Eine Zeit in der man sich am Freitagabend nicht dazu entscheiden kann, aus Gemütlichkeit zusammen Netflix zu schauen und den geplanten Partyabend links liegen zu lassen. Solche Entscheidungen entstehen meist aus Komfort heraus, den man vor allem hat, wenn man in einer Beziehung zusammenlebt. Ein Auslandssemester sollte aber eine Herausforderung darstellen, eine Zeit in der man neue Leute, Sprachen und Orte kennen lernt. Rotterdam befand sich also immer noch ein Stück weit in meiner Komfortzone, denn es ist weder weit von Amsterdam und meinem Freund, noch von Deutschland und meiner Familie weg, aber trotzdem irgendwie neu. Und eigentlich auch nicht irgendwie, denn bis vor ein paar Wochen noch, waren alles was ich bis jetzt von der Stadt gesehen hatte, die Google-Bilder unter dem Suchbegriff „rotterdam“ gewesen. Wieder in Amsterdam, zweifelte ich natürlich an meiner Entscheidung. Wie soll man sich schließlich auch hundertprozentig sicher mit eine Stadt sein, die man noch nie besucht hat? Das Gute: ein Rückzieher stand nicht zur Debatte.

Aber wieder an den Tag, an dem ich in Rotterdam ankam. Es war Sonntag, mein Flug ging am Nachmittag. Die Zeit bis dahin verbrachte ich mit meiner besten Freundin. Frühstücken, quatschen, Cabrio fahren und immer mal wieder kurz wehmütig werden, bis man sich erinnert, dass es ja nur viereinhalb Monate sein würden. Als ich schließlich im Flieger saß, fühlte sich das alles ziemlich groß an. Ein bisschen wie in dem Intro einem dieser Filme, in dem die Hauptdarstellerin, unterlegt mit einem enthusiastischen Soundtrack, ihrem neuen Lebensabschnitt entgegenblickt, der am Anfang gar nicht mal so einfach scheint, sich durch eine magische Person erst gut entwickelt und dann plötzlich ins Negative wendet und schließlich – surprise, surprise – in einem Happy End mündet. Diese Storyline kann ich für meinen Fall zumindest dementieren. Angekommen in Rotterdam musste ich es nämlich so oder so erst mal ruhig angehen. Uni hatte ich erst zum Ende der Woche und vorher musste noch eine endlose To-Do-Liste abgearbeitet werden. Für jeden normalen Studenten kein Problem, aber für einen, der nebenbei bloggt, oder wie in meinem Fall zumindest täglich auf Instagram postet, durchaus. Denn so nett meine Mitbewohner sind, fotografieaffin wirkten sie nicht gerade und sie gleich in den ersten Tagen nach ihrem Feierabend mit einem Shooting in der Nebenstraße zu quälen, erschien mir auch nicht wirklich als sympathisch.

So trieb ich mich die ersten Tage also allein in der Stadt herum, die Kamera stets in der Tasche, die Augen konstant nach Passanten Ausschau haltend, die ich als meine Fotografen instrumentalisieren konnte. Tatsächlich entstand so eins der ersten Fotos, die ich schließlich auf Instagram veröffentlichte. Währenddessen lernte ich die Stadt kennen, sah mir die zahlreichen Hochhäuser an, testete mich durch ein paar Cafés, aß Ramen in Chinatown und Stroopwafel am Marktstand und verbrachte natürlich stundenlang staunend im Albert Heijn. So lächerlich es ist, aber ja, ich bin halt ein Foodie, und eine Supermarktkette kann mich durchaus beeindrucken. Um euch meine Begeisterung etwas näher zu bringen: seit ich in Rotterdam lebe, habe ich noch nicht einmal so richtig gekocht, weil es bei Albert Heijn einfach so viele gute, frische Sachen gibt, dass man selbst kaum noch etwas machen muss. Von etlichen Salaten, Nudel- und Couscousgerichten oder frischgepressten Säften und Smoothies über verschiedenste Dips, Phó, Frischteigpizza oder Zucchininudeln, bis hin zu frischem Sushi und Pokébowls (ja, richtig gehört!) gibt es einfach ALLES was das Herz begehrt. Aber genug davon, ich bin ja eigentlich zum Studieren hier.

Aus dem Schwärmen komme ich bei dem Thema aber auch nicht so richtig raus, die Uni ist nämlich einsame Spitze. Ich möchte darauf jetzt nicht zu genau eingehen, weil es dazu einfach zu viel zu sagen gibt, um dem nicht einen separaten Blogpost zu widmen, aber soviel: an der Erasmus Universität ist alles genauestens darauf ausgerichtet, dass man sich als Student wohl fühlt. Eigentlich eine Voraussetzung für so ziemlich jede Uni, sollte man denken – das Gefühl hatte ich bisher aber weder an der Humboldt- noch an der Freien Universität in Berlin. Beide übrigens als Eliteunis gelistet. Der größte Unterschied zum Studieren in Deutschland: Chillen is‘ nicht. Während ich in Berlin hauptsächlich gearbeitet und nebenbei hin und wieder zur Uni gegangen bin, erfordert das Studium hier volle Aufmerksamkeit. Die kurzen Semester (4 statt 2 pro Jahr), unzählige Assignments, Readings und lange, interaktiv gestaltete Kurssitzungen lassen ein „eben mal so nebenbei“-Studieren nicht zu. Entweder man ist all in oder halt innerhalb weniger Tage out. Trotzdem bleibt mir bei drei Kursen natürlich noch genügend Freizeit, es war eher der Unterschied zu meinem bisherigen Studienverhalten, der mich anfangs geschockt hat. Wenn ihr Lust habt, mehr über die Uni zu erfahren, lasst es mich doch gern wissen!

Ich jedenfalls muss mich nach ein paar Tagen im sonnigen Griechenland jetzt erstmal wieder in den Unialltag einfinden. Momentan sitze ich noch in einem Café in Amsterdam, heute Abend geht es aber „nachhause“ nach Rotterdam. Ich bin gespannt, ob und wann ich die Anführungszeichen hierfür weglassen kann – ich halte euch auf dem Laufenden!

 

  • Comments ( 5 )

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    Hannah

    Ich möchte auch unbedingt ein Auslandssemester machen, wenn ich studiere, deswegen ist dieser Post sehr interessant für mich! Freu mich schon daruf mehr von deinem Leben in Rotterdam zu lesen. LG Hannah https://lefashiondance.blogspot.de/

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      ninaconinaco

      Das freut mich! Ich werde auf jeden Fall weiter Posts aus dieser Reihe veröffentlichen.

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    tobias

    Ein Auslandssemester wäre echt eine gute Sache, am liebsten würde ich es in Meran Italien machen 🙂

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      ninaconinaco

      Italien wäre auch meine erste Wahl gewesen – gab’s aber leider nur für’s Masterstudium!

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    La Katy Fox

    ich war bei meinen auslandssemester in brüssel u es war der hammer! aber echt arg wie die zeit verfliegt es ist schon über 5 jahre her 😀
    sehr tolle looks hast du u auch nen sehr schönen insta account !
    glg katy

    http://www.lakatyfox.com

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