Ich bin dann mal Offline!

Dank Instagram, Snapchat und Co. gilt inzwischen auch außerhalb der Bloggerszene: Was du nicht postest, ist nicht passiert. Dabei sollte man die Zeit, die man manchmal dafür nutzt, festzuhalten wie man einen Moment genießt, lieber damit verbringen, den Moment zu genießen. 

Ich tausche gerade meinen Kaffee gegen ein Bier ein, da klart der Himmel wie von Zauberhand auf. Die Wolken ziehen vorbei, aus Grau wird Blau, selbst die Sonne lässt sich blicken. Wir sind unterwegs in Berlin, mit uns tausende andere Menschen, die unbeschwert und gutgelaunt durch die von Buden, Bars und Ständen gesäumten Straßen ziehen. Wir tanzen, genießen die Stimmung und halten den Sonnenuntergang auf einem Bild fest. Bis hierhin ein perfekter Abend, fast ein bisschen zu schön um wahr zu sein. Doch schnell werden wir auf den Boden der Tatsachen zurück geholt: „Leute, ich habe hier null Internet. Ich muss mein Bild hochladen!“ Ich, gedanklich schon wieder tanzend vor der Rock-Band, die einige Meter entfernt spielt, denke „Seriously? Ist das jetzt wirklich so wichtig?“

OHNE W-LAN – OHNE MICH!

Dabei bin ich selbst oft nicht besser. Zuletzt habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, wie ich denn auf meinem kommendem Segelurlaub vor der Küste Griechenlands verdammt nochmal an Internet käme, statt mich einfach darauf zu freuen. Denn, wie man in der Social-Media-Welt gern so zum Spaß, sich insgeheim aber vor dem potenziellen Wahrheitsgehalt dessen fürchtet, sagt: Was du nicht postest, ist nicht passiert. Eine Reise kann noch so traumhaft, ein Essen noch so lecker und eine Party noch so verrückt sein – existiert kein Bild von dem gerade Erlebten, könnte man genauso gut vollkommen allein mit einer mittelmäßigen Tiefkühlpizza vor einer langweiligen Fernsehsendung gesessen haben.

 

NEVER NOT POSTING

Gerade Blogger und Influencer scheint diese Entwicklung besonders unter Druck zu setzen. Wenn ein paar Stunden am Stück nicht auf Insta-Stories berichtet wurde, dass es heute eigentlich nichts zu berichten gegeben hätte, wird sich kurz darauf voller Reue bei den Followern entschuldigt. Hat man mal kein aktuelles Bild parat, durchsucht man stundenlang seine Fotos nach einem alten, das möglichst authentisch von der Tatsache ablenkt, dass man den ganzen Tag ungeschminkt und in Sport-Tights (obwohl man während der letzten 24 Stunden nicht mal eine Sekunde an Sport gedacht hat) auf seinem Bett gesessen und die tausendste Mail verschickt hat. Und selbst wenn man auf der besten Party des Jahres ist, in einem Club in dem einerseits das Licht schlecht und außerdem das Fotografieren verboten ist, MUSS das entsprechende Bildmaterial her, bevor der entspannte Teil des Abends beginnt.
Nicht online sein ist keine Option. Nicht auszudenken, was passiert, wenn man seine Community einmal nicht mit ausreichend Content versorgt. Wenn man Spaß hat und nicht jeden einzelnen Follower daran teilhaben lässt, war es dann nicht ganz umsonst? Was du nicht postest, ist nicht passiert.


NIMM DICH NICHT SO WICHTIG!

Schluss damit. Schluss mit dem Drang, ständig überall jedem alles mitteilen zu müssen. Ja, man hat gewisse Verpflichtungen, wenn man auf Social Media einigermaßen erfolgreich sein möchte. Ja, regelmäßige Inhalte sind das A und O. Aber sein wir mal ehrlich: stört es unsere Leser, Follower oder Abonnenten wirklich so sehr, wenn einen Tag mal nichts von uns zu hören ist? Hier ist die Vielzahl an Bloggern und Influencern im Internet endlich mal als positiver Aspekt zu nennen. Es gibt massenhaft Fotos, Videos, Status-Updates und Statements inner- und außerhalb Instagram, Snapchat und Co., die Welt wird locker ohne ein gezwungenes „Sorry Leute, dass ich mich heute so wenig melde, aber ich habe einfach nur langweiligen Bürokram zu tun.“ weniger auskommen. Und wenn du den Sonnenuntergang nicht postest, dann geht deine Community vielleicht sogar mal raus und schaut ihn sich persönlich an.

OFFLINE MOMENTS AT ITS BEST

Wenn man sich erstmal von dem Gedanken, konstant online sein zu müssen, befreit hat, kann die Zeit, die man offline verbringt, erst so richtig genossen werden. Nein, ich habe euch nicht live davon berichtet, wie ich an einem lauen Sommerabend in einer unfassbar hässlichen blauen Fleecejacke mit ein paar Freunden spontan zum Flunkyball spielen getroffen oder wie ich vor Kurzem die besten Spaghetti meines Lebens gekocht habe – und trotzdem erinnere ich mich gern daran. Auch ohne Bild oder Instagram-Story.

Wir geben heutzutage so einen großen Teil unseres Lebens preis, es ist keine Schande, auch mal etwas für sich zu behalten. Und soweit, dass jemand nach der Wiedergabe einer lustigen Partygeschichte nach einem Beweisfoto fragt, ist es ja glücklicherweise auch noch nicht.
Also: genießt die Zeit online, nehmt euch aber auch mal eine Pause! Denn was du nicht postest, bleibt deine ganze persönliche Erinnerung. 

 

 

*Der Look wurde mir übrigens von MyClassico zur Verfügung gestellt. Mit dem Code „NINAxMYC“ bekommt ihr dort noch bis zum 31.06.2017. 15% Rabatt.

GET THE LOOK

Bag

Rebecca Minkoff

Slippers

Kennel & Schmenger

Pants

Hugo Boss

  • Comments ( 8 )

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    samdansite

    Super Post! Du hast vollkommen recht! Ich bin gerade in Frankreich und hab auch Nur im Haus W-Lan! Anfangs dachte ich, heilige Maria!! Aber der erste und 2 Tag war etwas schwierig aber mittlerweile nach der 1 Woche, habe ich abgelassen und poste nur ab und zu, und nicht die ganze Zeit!! Finde auch der mom mit Familie und Freunde wollte der gemeinsame Moment sein !!!

    Super geschrieben !!!

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    Caterina

    Super Artikel. Es ist soviel wichtiger den Moment zu geniessen, als ihn nur durch die Handy Kamera zu „erleben“.

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    nathalie

    ein super Beitrag! Mit einigen Sätzen sprichst du mir so sehr aus der Seele!

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    die chrissy

    In deinem Beitrag steckt ganz viel Wahrheit! Zu Beginn meiner Blogzeit und bei den ersten Schritten auf Instagram dachte ich oft „mensch, was andere alles so anstellen an einem Tag!“ Dann irgendwann kam die Erkenntnis, ich auch! Nur hatte ich es früher einfach gemacht ohne davon zu berichten. Heute poste ich wirklich deutlich weniger. Ein Grund ist tatsächlich, dass ich es leid geworden bin, immer alles cool in einem Foto einfangen zu müssen anstatt einfach mit dem Freund im Gras zu liegen und einen Eiskaffee zu trinken. Mal so ganz offline genießen, das ist wirklich schön!

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    Caro

    Oh du hast so Recht! Aber wie oft muss man sich mittlerweile einmal zwingen das Handy beiseite zu legen.
    Einerseits ist es toll so viele schöne Momente (auch einfach für sich!) festzuhalten, aber irgendwo gibt es da ganz sicher Grenzen.
    Ich bin auch immer wieder froh wenn mein Freund mich dann doch ab und zu mal wieder bremst 😉

    Toller Bericht!

    Ganz liebe Grüße aus HH
    Caro

    https://carolionk.com/

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    schokokamel

    Sehr gut geschrieben! Ein Grund, warum ich mich ganz bewusst dazu entschieden habe, z.B. nichts von meiner Hochzeit auf Instagram zu posten. Bis dahin ist es zwar noch eine Weile hin, aber auch von den Vorbereitungen wird so gut wie nichts auf dem Blog zu finden sein. Einfach, weil das mein ganz persönliches Ereignis ist, und das niemanden von meinen Followern direkt was angeht. 🙂

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    Stephie

    Hey Nina,
    Ganz toller Artikel und wahre Worte.
    Mir, als Bloggerin im Anfangsstadium mit einer Hand voll Follower, gehen diese Gedanken täglich durch den Kopf. Ich mache mir sehr viel Druck und „nerve“ damit mein Umfeld, ohne es zu wollen, aber auch ohne einen besseren Weg zu finden. Denn wie du schon sagst, wer nicht täglich postet, ist raus und ich bin noch nicht mal drin.
    Dennoch finde ich, dass sich ganz langsam Veränderungen in der Blogger-Welt auftun. Sehr beliebte und bekannte Blogger verlieren allmählich an Aufmerksamkeit und neue Blogger, wie du, werden interessant. Vielleicht liegt es ja etwas in eurer Hand, den Social-Wahn etwas zu drosseln und dabei trotzdem erfolgreich zu sein.
    Ich drück dir die Daumen und verfolge deinen Weg gespannt weiter.
    Ganz liebe Grüße,
    Stephie (allthestuffineed.de)

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    Luisa Wagner

    Das ist so wahr! Erst gestern habe ich mich geärgert, dass ich am See kein Internet habe um ein Bild zu posten, um dann erschreckend fest zustellen, dass nicht immer alles gepostet werden muss.! Dennoch gibt es auch Tage wo ich mein Handy und Social Media vollkommen vergesse, und einfach genieße! Wirklich schöner Post.

    Liebe Grüße
    Luisa 🙂

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